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Hilfe auf dem letzten Weg

Amiravita News, 20. April 2023

Palliative Versorgungsmöglichkeiten
Hilfe auf dem letzten Weg

Wenn Schwerkranke und sterbende Menschen die letzte Lebensphase erreicht haben, ist es der Wunsch aller Familienmitglieder, die Versorgung, Pflege und Betreuung so angenehm wie möglich zu gestalten. Betroffene Personen wünschen sich, die letzte Lebensphase so menschenwürdig und angstfrei wie möglich zu erleben. Um diesen Bedürfnissen und Wünschen so gut wie möglich gerecht zu werden, werden von Fachkräften verschiedener Berufsgruppen palliative Versorgungsmöglichkeiten angeboten.

Was bedeutet palliative Versorgung?

Unter einer palliativen Versorgung versteht man die Betreuung von Menschen, die an einer weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leiden. Die Palliativmedizin ist darauf ausgerichtet, Symptome palliativ-pflegerisch und palliativ-medizinisch zu lindern, auch wenn es nicht möglich ist, die Ursachen zu beseitigen. Die Lebensqualität soll hierdurch so gut wie möglich gesteigert und der letzte Lebensabschnitt so angenehm wie möglich gemacht werden.

Zu einer palliativen Versorgung gehören sowohl die pflegerische Unterstützung und medizinische Versorgung als auch eine Beratung und Begleitung. Bei der Begleitung stehen das Zuhören und Dasein sowohl für die sterbende Person als auch für die Familienangehörigen im Vordergrund. Eine palliative Unterstützung erfolgt unabhängig von Alter und Geschlecht.

Welche Arten der palliativen Versorgung gibt es?

Je nach Wünschen der Betroffenen und äußeren Umständen kann eine palliative Versorgung an verschiedenen Orten stattfinden.

Palliativstationen im Krankenhaus

Bei Palliativstationen handelt es sich um spezialisierte Einrichtungen eines Krankenhauses, auf der Menschen mit einer fortgeschrittenen lebensbegrenzenden Erkrankung versorgt werden können. Das Ziel besteht darin, Symptome so gut wie möglich zu verbessern, bzw. zu lindern. Damit soll erreicht werden, dass die Betroffenen für die letzte Lebensphase wieder nach Hause entlassen werden können. Sollte der Weg nach Hause nicht möglich sein, steht ein multiprofessionelles Team der sterbenden Person und den Angehörigen zur Seite. Laut der deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin verfügen ca. 15% der deutschen Krankenhäuser über eine Palliativstation.

Palliativdienste im Krankenhaus

Palliativdienste bieten eine frühzeitige und möglichst kontinuierliche palliativmedizinische Beratung an. Je nach Struktur des Krankenhauses sind sie Teil der Palliativstationen, können aber auch von regulären Stationen im Krankenhaus konsultiert werden, um die Versorgung von Betroffenen zu verbessern und ggf. zu Unterstützungsmöglichkeiten außerhalb des Krankenhauses zu beraten. Hierbei erfolgt eine enge Zusammenarbeit zwischen Pflegekräften und Ärzten der jeweiligen Station mit dem Sozialdienst, der Physiotherapie, der Psychoonkologie und der Seelsorge.

Pflegedienste mit AAPV- Allgemeine Ambulante Palliativversorgung

Wenn eine Person sich zu Hause befindet und bereits durch einen Pflegedienst versorgt wird, kann dieser in der Regel auch eine Versorgung in der letzten Lebensphase begleiten. Hierbei sollen Beschwerden und Schmerzen frühzeitig erkannt und möglichst gelindert werden. Die medizinische Betreuung kann sowohl durch behandelnde Hausarztpraxen oder Fachärzte-ärztinnen (Palliativmediziner) übernommen werden. Die Pflegekräfte müssen hierbei keine Weiterbildungen als Palliativfachkraft nachweisen und müssen nicht mit einer palliativmedizinischen Praxis zusammenarbeiten. Bei einem bestehenden Pflegegrad, werden die Leistungen einer AAPV über die Pflegeversicherung abgerechnet. Eine Verordnung über einen behandelnden Facharzt/-ärztin ist nicht möglich

Pflegedienste mit SAPV- Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung

Wenn eine AAPV nicht ausreicht, kann eine Unterstützung durch eine SAPV erfolgen. Das SAPV-Team setzt sich aus Fachärzten und Pflegekräften zusammen, welche über eine spezielle Ausbildung verfügen müssen. Dieses Team ist auf die medizinische Betreuung spezialisiert und steht den Betroffenen rund um die Uhr zur Verfügung. So kann zum Beispiel bei nächtlicher Luftnot eine Ärztin oder eine Pflegekraft aktiviert werden, die nach Hause kommen, aktiv werden, Wache halten und Entscheidungen treffen. Zum Teil wird eine SAPV auch in Alten- oder Pflegeeinrichtungen angeboten.

Die SAPV wird nicht von der Pflegekasse, sondern von der Krankenkasse finanziert und muss vom behandelnden Arzt/ der behandelnden Ärztin verordnet werden. Um diese Verordnung zu erhalten, muss nach § 37b SGB V eine ( ) nicht heilbare, fortschreitende und weit fortgeschrittene Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung, die eine besonders aufwändige Versorgung benötigen ( ) bestehen.

Hinweis: Wenn es sich um einen reinen SAPV handelt, führt dieser keine pflegerische Hilfe durch, wie beispielsweise Hilfe bei der Körperpflege. Wenn hierbei Hilfe benötigt wird, muss ein regulärer Pflegedienst kontaktiert und genutzt werden. Eine Kombination aus Pflegedienst und SAPV ist durchaus üblich.

Ambulante Hospizdienste

Neben professionellen Anbietern gibt es auch ambulante Hospizdienste, die eine stundenweise Betreuung für Palliativpatienten anbieten diese wird allerdings nicht von Pflegekräften oder Ärzten durchgeführt, sondern von geschulten und überwiegend ehrenamtlichen Helfern.

Hierbei wird eine Begleitung von Menschen mit begrenzten Lebenserwartungen und ihren Angehörigen angeboten, um ein Sterben in Würde und Geborgenheit zu ermöglichen. In der Regel ist eine unverbindliche Kontaktaufnahme per Telefon oder einen Hausbesuch möglich, wobei die Familie auch dann unterstützt wird, wenn die Situation sich verändert.

Stationäre Hospize

Bei stationären Hospizen handelt es sich um eigenständige wohnliche Einrichtungen, die eine Versorgung für Menschen mit einer fortgeschrittenen lebensbegrenzenden Erkrankung anbieten. Die möglichst ganzheitliche Pflege- und Versorgung wird durch haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Zusammenarbeit mit Fachärzten übernommen. Auch die Angehörigen werden durch Gespräche oder innerhalb von Trauergruppen bei dem Prozess unterstützt.

Eine Aufnahme in ein stationäres Hospiz ist dann möglich, wenn bei Menschen die an einer schweren, unheilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankung leiden und nur noch eine Lebenserwartung von Tagen, Wochen oder wenigen Monaten haben, die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind: Es wird keine Krankenhausbehandlung benötigt, es besteht keine Möglichkeit zur ambulanten Versorgung im Haushalt oder bei der Familie des schwerstkranken Menschen, die Aufnahme ist erwünscht und wurde aus medizinischer Sicht begründet.

Die medizinische Begründung erfolgt in einem solchen Fall über eine ärztliche Bescheinigung zur Feststellung der Notwendigkeit vollstationärer Hospizversorgung nach § 39a Abs. 1 SGB V. Der Aufenthalt in einem Hospiz wird in einer Kombination aus Krankenkasse, Pflegekasse und dem Hospizträger (über Spenden) finanziert. Versicherte müssen nichts dazuzahlen.

Hinweis: Wenn eine Person in einem Pflegeheim lebt, ist der Umzug in ein Hospiz nahezu ausgeschlossen. Eine solche Veränderung kann nur in Einzelfällen und nach einer Überprüfung durch den medizinischen Dienst (MD) erfolgen.

Wie kann der Kontakt zu einer palliativen Unterstützung hergestellt werden?

Wie bereits erwähnt kann die Versorgung auf unterschiedlichen Wegen gestaltet werden, z.B. dann, wenn die betroffene Person sich im Krankenhaus befindet. Auch bei einer bestehenden Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst oder dem Leben in einem Pflegeheim, sind die Ansprechpartner/ innen schnell zur Hand.

Außerhalb dieser Strukturen können Betroffene oder Familienangehörige auch selbst Kontakt zu den aufgeführten Unterstützungsangeboten Kontakt aufnehmen. Um hierbei möglichst schnell an geeignete Anbieter zu kommen, werden deutschlandweit in vielen Landkreisen und kreisfreien Städten sogenannte Netzwerke für Hospiz- und Palliativversorgung angeboten. Eine Möglichkeit, um sich zu regionalen Angeboten der Hospiz- und Palliativversorgung zu informieren bietet der Wegweiser Hospiz- und Palliativversorgung Deutschland, welcher durch den Deutschen Hospiz und Palliativ Verband e.V. unterstützt wird. Auf dem aktuellen Internetportal ist es mitunter möglich, nach Angeboten in der Palliativversorgung für Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche zu suchen. 

https://www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de/

Letztendlich ist eine palliative Versorgung überall dort möglich, wo ein kranker Mensch in der letzten Lebensphase Begleitung und Unterstützung benötigt. Viele Wünschen sich diese Hilfe innerhalb des eigenen Zuhauses. Es muss jedoch auch akzeptiert werden, wenn dies nicht immer möglich ist, weil eine spezielle Behandlung erforderlich ist oder Partner und Kinder mit der Situation überlastet sind. Jede Versorgung kann unterschiedlich verlaufen und es ist wünschenswert, dass der letzte Weg jedes Menschen so würdevoll wie möglich begleitet werden kann.


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