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Selbstfürsorge in schwierigen Zeiten

Amiravita News, 21. März 2022

Fürsorge für andere, ja, das kennen wir zur Genüge. Das kann uns auch stabilisieren, gesellschaftliche oder familiäre Anerkennung bringen und uns deshalb glücklich machen. Aber Selbstfürsorge? Klingt das nicht egoistisch und selbstverliebt?

Nach über 2 Jahren Ausnahmezustand durch Corona, nun Krieg in der Ukraine mit der Folge ins Unendliche steigender Kraftstoffpreise und weiteren, heute noch gar nicht absehbaren Folgen fällt es manchmal schwer, die eigene Ausgeglichenheit zu halten. Und doch ist es gerade jetzt wichtiger denn je, sich nicht in einen Strudel negativer Gedanken und Gefühle hineinzubegeben, um die psychische und damit auch die physische Gesundheit zu stabilisieren. Ein wichtiger Beitrag, um dies zu erreichen, ist die Selbstfürsorge.

Was genau ist Selbstfürsorge?

Die WHO definiert das Konzept Selbstfürsorge als die Fähigkeit von Individuen, Familien und Gemeinschaften, Gesundheit zu fördern und zu erhalten, Krankheit vorzubeugen und mit Krankheit umzugehen, mit oder ohne Unterstützung durch das Gesundheitssystem. Im Allgemeinverständnis fassen wir den Begriff etwas weiter und meinen damit auch, auf unsere Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen einzugehen.

Warum ist Selbstfürsorge so wichtig?
Kein Auto fährt, wenn wir nicht zwischendurch den Tank auffüllen, kein elektrisches Gerät funktioniert ewig, wenn wir nicht die Batterie aufladen und ein Konto, von dem man immer nur abhebt, ohne einzuzahlen ist irgendwann leer logisch das alles. Und dennoch glauben wir, dass unsere Kraft unendlich ist, ohne das wir auftanken, aufladen und den Kontostand unserer inneren Stärke wieder auffüllen? Nicht logisch.

Selbstfürsorge kann auch mal ein heißes Bad, eine schöne Tasse Tee, ein gutes Buch oder ein Spaziergang im Sonnenschein bedeuten. Aber das alles bleibt an der Oberfläche, ist allein nicht genug, eher Fast-Food für die Seele.

Die Voraussetzung für eine gute Selbstfürsorge ist eine gesunde Selbstwahrnehmung. Darauf zu achten, wenn die Muskeln verspannt sind, etwas im Nacken sitzt oder auf den Magen geschlagen ist oder etwa den Schlaf raubt.

Was sind Anzeichen fehlender Selbstfürsorge?

• Sie fühlen sich gereizt und unausgeglichen.
• Sie sind erschöpft und antriebslos.
• Sie haben ein geschwächtes Immunsystem.
• Sie haben das Gefühl, zu kurz zu kommen.
• Sie trinken und essen nicht genug oder zu ungesund.
• Sie machen keine Pausen und überanstrengen sich.
• Sie achten nicht auf ausreichend Schlaf.

All das ist nicht hilfreich, den Aufgaben der Zeit zu begegnen.

Es geht hier auch um Ihre innere Einstellung. Selbstfürsorge meint einen liebevollen Umgang mit sich selbst. Und es geht dabei nicht um Egoismus, sondern darum, seine eigenen Bedürfnisse neben die der anderen zu stellen und sie ebenfalls als wichtig zu erachten.

Was kann man im Alltag tun, um eine gute Selbstfürsorge zu erreichen?

1. Bedürfnisse erkennen

Oft sind wir so beschäftigt, dass wir unsere Bedürfnisse nicht mehr richtig wahrnehmen. Machen Sie sich auf eine Entdeckungsreise, was Ihnen guttut und was nicht. Prüfen Sie, wo Ihre Grenzen liegen und respektieren Sie sie. Tun Sie etwas, das Ihnen Freude bereitet. Dafür müssen Sie aber erst herausgefunden haben, was das sein könnte. Das hat mit Eigenverantwortung zu tun.

2. Auf den Tonfall von Selbstgesprächen achten

Wie reden Sie mit sich selbst? Liebevoll? Klopfen Sie sich manchmal selbst auf die Schulter, wenn es kein anderer tut? Oder schimpfen Sie sich? Ein liebevoller Umgang mit sich selbst beginnt bei der inneren Kommunikation. Statt Das habe ich schon wieder nicht geschafft. ist ein Das habe ich noch nicht geschafft, vielleicht gelingt es mir beim nächsten Versuch. viel besser. Stoppen Sie Selbstkritik, seien Sie milde zu sich selbst.

3. Gefühle wahrnehmen und ernst nehmen

Hören Sie auf Ihre Gefühle, sie sind wichtig. Sie wollen Ihnen etwas sagen. Deswegen hören Sie ihnen zu! Wie oft tun wir Dinge, bei denen unser Bauchgefühl rebelliert. Hören Sie auf den Bauch: Fragen Sie sich, ob das, was zu tun ist, zu einem liebevollen Umgang mit Ihnen selbst beiträgt. Oder bei welcher anderen Handlung Ihre Gefühle eventuell besser berücksichtigt sind.

4. Antreiber identifizieren

Ist gut, gut genug oder muss es wirklich immer perfekt sein? Soll der Kuchen schmecken oder muss er einen Schönheitspreis in einer Back-Show gewinnen? Ist es okay, wenn Sie sich Hilfe holen oder müssen Sie immer alles allein machen? Ist es essenziell wichtig, dass diese E-Mail heute noch rausgeht oder reicht das vielleicht auch morgen? Was sind Ihre inneren Antreiber und wozu sind sie gut? Und sind sie in jeder Situation gut? Sie werden es nie schaffen, es allen Menschen recht zu machen. Machen Sie Pausen und zeigen Sie so Ihrem inneren Antreiber, dass man langsam auch vorankommt.

5. Das richtige Maß finden

Alles in Maßen, sagt der Volksmund. Leben Sie maßvoll. Aber erkennen Sie, wann das Maß voll ist? Oder erst, wenn es übervoll ist? Auch dazu braucht es eine gesunde Selbstwahrnehmung. Das gilt für die Arbeit genauso wie für Essen oder Alkohol. Vielleicht ist auch das Maß einmal voll mit (Katastrophen-)Nachrichten. Dann ist dies eine gute Gelegenheit, den Fernseher auszuschalten und etwas anderes zu tun. Üben Sie sich im Erkennen des rechten Maßes, in jeglicher Hinsicht.

6. Schreiben Sie Tagebuch

Ein Tagebuch kann gleich mehrere Zwecke erfüllen. Zum einen können Sie sich über diese Art der Reflexion selbst besser kennenlernen. Denn alle Gedanken, die man in Worte formuliert hat, werden konkreter. Sie können sich aufschreiben, worüber Sie sich Gedanken machen, wie Sie leben möchten, was Ihnen Freude bereitet und wo die eigenen Stärken liegen.

Zum anderen kann können Sie auch am Ende des Tages Dankbarkeit praktizieren für alles, was gelungen ist, die kleinen Erfolge feiern und so zu einer Zufriedenheit gelangen. Denken Sie dabei auch an das, was Sie als scheinbar selbstverständlich erachten: Eine schöne Wohnung, der Arbeitsplatz, ein schönes Wochenende mit der Familie oder auch Ihre Gesundheit.

Der dritte Vorteil eines Tagesbuchs ist, dass Sie so eigene Fortschritte erkennen. Wenn Sie sich einige Zeit später noch einmal alte Aufzeichnungen vornehmen, können Sie mitunter große Entwicklungen in Ihrer Selbstfürsorge aber auch in Ihrer Persönlichkeit erkennen.

7. Pflegen Sie soziale Kontakte

Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir brauchen andere Menschen, ohne sie können wir nicht überleben. Welche Art der sozialen Kontakte Sie in der augenblicklichen Situation als passend empfinden, ist für jeden Menschen unterschiedlich. Wichtig ist, den Kontakt nicht abreißen zu lassen. Wir sind Gemeinschaftswesen, wie der Fisch ein Wasserwesen ist. Wir brauchen andere Menschen, ein Mangel an Kontakten verursacht Stress, das haben Studien ergeben. Aber auch hier sollten Sie auf Ihre innere Stimme hören. Suchen Sie Kontakte, die Ihnen guttun und überdenken Sie die, die es nicht tun.

Selbstfürsorge Ein wichtiger Schritt

Wir haben als Erwachsene die Möglichkeit, mit Störungen umzugehen. Die Selbstfürsorge ist die erste Maßnahme zu einem eigenverantwortlichen, liebevollen Umgang mit uns selbst, der uns wieder ins Gleichgewicht bringen kann. Selbstfürsorge kann das Immunsystem stärken und sie kann die Tankstelle sein, die uns wieder zu Kräften kommen lässt.

Abraham Lincoln sagte einmal:

Wenn ich fünf Stunden Zeit hätte, einen Baum zu fällen, würde ich vier Stunden meine Säge schärfen.

Wir wünschen Ihnen gute Ideen für Ihre innere Kraftstoffzufuhr.


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