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Pflege und Gesundheit für Unternehmen, Hochschulen, öffentliche Verwaltungen und Institutionen

Gefahren bei Multimedikation

Amiravita News, 24. Januar 2023

Krankheit und Tod durch Multimedikation?

Krankenkassen bieten Medikamentenanalyse an

"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker." So heißt es häufig in der Werbung von Arzneimitteln und so ähnlich steht es in allen Beipackzetteln aller Medikamente.

Wir zeigen Ihnen hier auf, warum Sie diese Warnung unbedingt beherzigen sollten, wenn Sie mehrere Medikamente parallel einnehmen sollen und müssen. Wenn zu viele verschiedene Medikamente dauerhaft und gleichzeitig eingenommen werden (= Multimedikation oder Polymedikation), können diese schnell zur Gefahr werden.

Wer also mehr als 3 oder 4 rezeptpflichtige und rezeptfreie Medikamente einnimmt, fällt in diese Kategorie. Die begleitende Gefahr den Überblick über die Medikamenten-Einnahmen zu verlieren, ist ebenfalls sehr groß: Muss die gelbe Tablette vor, während oder nach dem Essen genommen werden? Ist die grüne Pille nur einmal oder mehrmals täglich zu nehmen? Verträgt sich die Blutdrucktablette mit dem Blutverdünner?

Von Medikamentenproblemen in Form von zu vielen Medikamenten, die sich gegenseitig beeinflussen, sind in der Regel überwiegend Senior*innen betroffen. Mit steigendem Alter nehmen diverse Krankheiten zu, die wiederrum mehr Medikamente erfordern. Nicht selten kommen ältere Menschen mit akuten Beschwerden ins Krankenhaus häufig, weil Medikamente entweder gar nicht, zum falschen Zeitpunkt oder in der falschen Dosis eingenommen wurden. Im schlechten Fall werden sie kränker als zuvor oder versterben sogar an den Folgen der Multimedikation.

Im Krankenhaus werden sie dann dort umgangssprachlich neu eingestellt, um Wechsel- und Nebenwirkungen auszuschließen und mit einem neuen, stimmigen Medikamentenplan weitere Risiken zu verhindern.

Die Problematik besteht darin, dass nicht klar ist, ob und welche Medikamente miteinander harmonieren oder sich gegenseitig beeinträchtigen und gesundheitlichen Schaden anrichten. Den Patienten selbst ist oft nicht bewusst, welchen Gefahren sie mit einer Multimedikation ausgesetzt sind. Natürlich müssen Medikamente verschrieben und auch eingenommen werden, wenn es erforderlich ist. Die Frage ist vielmehr: wie viele Medikamente sind nötig? Werden die Medikamente kontrolliert eingenommen, können fatale Folgen verhindert werden. Daher gilt die regelmäßige Überprüfung der Arzneimittel als wichtigste Prophylaxe.

Was sind die Ursachen von problematischer Multimedikation?
Viele Köche verderben den Brei.

Die Hauptursache liegt darin, dass unterschiedliche Erkrankungen von unterschiedlichen (Fach-) Ärzten behandelt werden, ohne Wissen darüber, welche Medikamente bereits verschrieben und eingenommen wurden. Somit kann es leicht zu riskanten Neben- und Wechselwirkungen kommen. Zudem wissen die betroffenen Personen häufig selbst nicht mehr, welches Medikament sie wann einnehmen müssen, so dass es hier zur falschen Einnahme kommt. Dabei ist es nicht gleichgültig, wann konkret eine Medikamenteneinnahme erfolgt, zum Beispiel vor, nach oder während einer Mahlzeit denn manche Medikamente verlieren durch Medikationsfehler ihre Wirkung.

Hinweis: Je mehr Medikamente eingenommen werden müssen, umso höher das Risiko für Neben- und Wechselwirkungen.

Weitere Gründe und Ursachen für Medikationsfehler:

  • Multimorbidität: Je mehr Krankheiten, desto mehr Arzneimittel, umso höher das Risiko für Neben- und Wechselwirkungen.
  • Fehlender Mut von Ärzten und Patienten auf nicht notwendige Medikamente zu verzichten: Nach erfolgreicher Therapie werden Medikamente nicht abgesetzt, sondern bis Packungsende eingenommen. Auch haben Ärzt*innen Angst vor Verschlechterung des Gesundheitszustandes, wenn ein Medikament abgesetzt wird.
  • Frei verkäufliche, auch rein pflanzliche Medikamente: Bitte unbedingt auch hier auf ihre Neben- und Wechselwirkungen achten! Beispielsweise Johanniskraut, das bei depressiven Verstimmungen helfen kann, führt bei gleichzeitiger Einnahme von Blutdrucksenkern zur Unwirksamkeit des Blutdruckmittels. Auch die Kombination von Johanniskraut mit Herzpräparaten, Cholesterinsenkern oder Schmerzmitteln hemmt die Wirkung.
  • Mangelhafte Absprache zwischen Krankenhaus und/ oder mitbehandelnden Ärzt*innen: von verschiedenen Ärzt*innen werden Medikamente verordnet ohne das Wissen darüber, was bereits an anderen Medikamenten eingenommen wird. So kann es vorkommen, dass für ein und dasselbe Erkrankungsbild mehrere Medikamente verschrieben werden.
  • Nebenwirkungen werden für neue Erkrankung gehalten: Wird nicht erkannt, dass Nebenwirkungen durch ein gewisses Medikament ausgelöst wurden, wird die Nebenwirkung ebenfalls medikamentös behandelt.
  • Fehlender Medikationsplan: Noch immer verfügen nur wenige Patienten über einen korrekt geführten Medikamentenplan.

Wenn Sie oder ihre angehörige Person mehr als drei Medikamente einnehmen, sollten diese im Blick behalten und ggf. Hilfe in Anspruch genommen werden.

Dies sollte gerade dann geschehen, wenn nach einem Krankenhausbesuch oder durch einen anderen Facharzt neue Präparate verordnet wurden. Eine Veränderung der Medikamenteneinnahme sollte nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen!

Einige Tipps können dabei helfen, eine kontinuierliche Einnahme zu unterstützen und Fehlerquellen zu minimieren:

Hausarzt einbeziehen Medikationsplan erstellen lassen

Eine wichtige Rolle spielt der Hausarzt. Die Erstellung eines Medikamentenplans - auch Medikationsplan genannt - erfolgt in der Regel durch den Hausarzt oder, durch den koordinierenden Facharzt, wenn Sie keinen Hausarzt haben. Der Hausarzt sollte dementsprechend einen Überblick über alle Medikamente haben. Teilen Sie ihm/ihr auch mit, welche verschreibungsfreien Arzneien Sie einnehmen. Dann kann der Hausarzt eine Liste erstellen, auf der alle Medikamente mit den entsprechenden Einnahmevorschriften aufgeführt sind, die Sie einnehmen.

Der Medikationsplan muss immer aktuell gehalten werden. Wenn sich die Dosis der Medikamente ändert, neue Medikamente hinzukommen oder Alte wegfallen, informieren Sie deshalb immer den Hausarzt, die Hausärztin. Nehmen Sie den Medikamentenplan immer mit, wenn Sie zum Arzt gehen oder sich im Krankenhaus vorstellen. So ist haben alle Ärzte eine Übersicht, welche Medikamente Sie bereits nehmen.

Medikamentenanalyse - Unterstützung durch die Apotheke

Die Apotheke hat mit Blick auf Polymedikation eine zentrale Bedeutung. Suchen Sie sich deshalb, wenn möglich, eine Stammapotheke. Auch Ihr Apotheker sollte den Überblick haben, welche Medikamente Sie nehmen. Geben Sie auch Ihrem Apotheker den Medikamentenplan und sprechen Sie ihn mit der Apothekerin durch. Wenn Sie eine solche Stammapotheke haben, werden dort auch regelmäßig Ihre Medikamente auf Neben- und Wechselwirkungen geprüft.

Außerdem steht Ihnen einmal jährlich eine gründliche Medikationsanalyse in der Apotheke zu, wenn Sie mindestens fünf ärztlich verordnete Arzneimittel nehmen müssen.

Medikationsanalyse in der Apotheke

Einmal jährlich können Sie sich in der Apotheke ausführlich hinsichtlich Ihrer Medikamente beraten lassen. Dies ist für Menschen, die mindestens fünf ärztlich verordnete Arzneimittel nehmen müssen, kostenlos. Die Apotheke rechnet dann direkt mit Ihrer Krankenkasse ab bzw. bei privat Versicherten rechnet die Apotheke direkt mit dem Nacht- und Notdienstfonds ab, auch hier müssen Sie nicht selbst zahlen.

Diese Medikationsberatung besteht aus 2 Teilen: Dem Analyseteil und dem Auswertungs- und Beratungsteil. Zur Medikationsberatung gehören:

Arzneimittelerfassung: Erfassung aller Medikamente, die der Patient einnimmt: Die auf Rezept und nicht verschreibungspflichtige Medikamente und auch die Nahrungsergänzungsmittel gehören dazu. Erfasst werden ebenso Salben und Inhalationen. Der evtl. vorhandenen Medikamentenplan, die Dosierungsanweisung der Medikamente, sowie Laborwerte, Arzt- und Krankenhausberichte werden ebenfalls aufgenommen.

Im Auswertungs- und Beratungsteil wird geprüft ob die Medikamente zusammenpassen und ob es Medikationsfehler gibt. Danach bespricht der Apotheker, die Apothekerin mit Ihnen die Auswertung und empfiehlt ggf. Änderungen. Es kann eine Empfehlung für die behandelnde Ärztin ausgesprochen werden, vorhandene Einnahmevorschriften zu überprüfen und den Plan zu überarbeiten. Wer noch keinen Medikamentenplan hat, bekommt einen ausgestellt.

Nur geschulte Apothekerinnen und Apotheker dürfen Medikationsanalysen durchführen. Dies ist inzwischen bei vielen Apotheken der Fall.

Was können Sie als Betroffene*r oder als pflegende*r Angehörige*r machen?

Medikamente richten

Gerade wenn eine große Anzahl an Präparaten eingenommen werden muss, kann es sinnvoll sein, diese in sogenannten Tablettenspendern (u.a. auch Medikamentendosen genannt) vorzubereiten. Diese sind sowohl für einen Tag, als auch für eine komplette Woche teils mit Beschriftung für Wochentag und Tageszeitpunkt zu erwerben. Angeboten werden diese Produkte in der Regel von Apotheken, Sanitätshäusern oder im Internet. Die Apotheke kann Sie durch Vorsortieren unterstützen, die Medikamente individuell blistern zu lassen, ist allerdings i.d.R. kostenpflichtig. Auch digitale Tablettenspender können helfen, diese können u.U. vom Arzt als Hilfsmittel verschrieben werden.

Einnahme mit Gewohnheiten verbinden

Der Zeitpunkt der Einnahme kann im Rahmen der Vorgaben so gewählt werden, dass er dem individuellen Tagesablauf entspricht. Hierbei können die Medikamente z.B. neben der Kaffeemaschine oder dem Zahnputzbecher deponiert werden. So kann es zu einem festen Ritual werden, beispielsweise nachdem die Kaffeemaschine angeschaltet wurde, direkt die Morgentabletten einzunehmen.

Erinnerungshilfen nutzen

Um daran erinnert zu werden, dass die Medikamente eingenommen werden müssen, kann bereits ein gut sichtbarer Zettel (z.B. an der Kühlschranktür oder am Spiegelschrank) eine Hilfe sein. Des Weiteren können auch Wecker oder Mobiltelefone mit einer Alarmfunktion oder elektrische Erinnerungshilfen so eingestellt werden, dass sie zum Einnahmezeitpunkt Alarm geben. Zudem gibt es auch Medikamentendosen, die über eine Alarmfunktion verfügen.

Unterstützung durch den Pflegedienst

Wenn sich abzeichnet, dass die betroffene Person zunehmend mit dem Richten oder der Einnahme der Medikamente überfordert ist, kann ein Pflegedienst die Situation erleichtern. Ein Pflegedienst kann neben pflegerischen Tätigkeiten auch das Richten und die Verabreichung von Medikamenten und Spritzen (z.B. von Insulin) übernehmen. Hierzu muss keine Pflegestufe bestehen, sondern nur eine entsprechende Verordnung vom behandelnden Hausarzt ausgestellt werden. Diese Leistung wird durch die Krankenkasse finanziert, wodurch nur eine geringe Zuzahlung anfallen kann. 

Wenn Ihnen auffällt, dass die betroffene Person zunehmend überfordert wirkt oder teilweise verwirrt ist, sollten Überlegungen getroffen werden, zumindest den Großteil der Tabletten wegzuschließen oder komplett aus der Wohnung zu entfernen. Hierbei steht im Vordergrund, dass sich der Betroffene nicht schadet. Daher sollten in jedem Fall Gespräche mit dem Betroffenen und dem behandelnden Arzt geführt werden. 

Wichtig! Grundsätzlich sollten Sie bei einer höheren Anzahl an einzunehmenden Medikamenten diese auf keinen Fall ohne ärztliche Absprache absetzen oder die Dosierung verändern.


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