Kuren und Rehamaßnahmen
für pflegende Angehörige

Wenn pflegebedürftige Familienangehörige zu Hause gepflegt werden, ist dies eine große Leistung, die oft einen Einsatz rund um die Uhr notwendig macht. Der pflegenden Person wird hierbei auf Dauer viel abverlangt. Diese Belastungen können dazu führen, dass ebenfalls gesundheitliche Probleme auftreten. Um solchen Problemen vorzubeugen oder diesen entsprechend zu begegnen, sollten auch pflegende Angehörige die Möglichkeiten von Kuren und Rehamaßnahmen kennen und nutzen.

Gründe für eine Kur oder Rehamaßnahme

Die dauerhafte Unterstützung eines pflegebedürftigen Angehörigen, bringt sowohl eine psychische und teils auch eine körperliche Belastung mit sich. Diese Faktoren können auf Dauer dazu führen, dass auch die Gesundheit der pflegenden Person leidet.

Hierbei weisen Symptome wie dauerhafte Erschöpfung oder Reizbarkeit, häufige Schmerzen, Schlafstörungen, Unkonzentriertheit ober auch der Rückzug vom sozialen Umfeld und zunehmende Vereinsamung auf eine Überlastung hin. Auch wenn viele Betroffene dazu neigen, die Symptome eher zu ignorieren („Ich darf nicht ausfallen, sonst ist mein Angehöriger nicht versorgt.“) oder kleinzureden („Anderen Leuten, geht es schlechter als mir“), ist es sehr wichtig, die eigene Gesundheit ernst und Probleme wahrzunehmen.

Letztendlich ist weder dem eigenen Körper noch der hilfsbedürftigen Person damit geholfen, wenn ein Mensch sich so sehr verausgabt, dass er oder sie selbst stark erkrankt und ausfällt! Versuchen Sie also Ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen bzw. betroffene Personen hierzu zu ermutigen.

Unterschiede zwischen Kur und Rehamaßnahmen

Auch wenn die Begriffe Kur und Rehamaßnahmen häufig synonym füreinander genutzt werden, gibt es Unterschiede bei den Zugangsvoraussetzungen und der Übernahme der Kosten.

Eine Kur dient als präventive Maßnahme, die verhindern soll, dass eine Erkrankung überhaupt auftritt. Diese Maßnahme kann entweder ambulant oder stationär in einer Kurklinik durchgeführt werden. Hierbei können unterschiedliche therapeutische Maßnahmen eingesetzt werden, wie z.B. Krankengymnastik, Massagen, Entspannungstechniken, psychologische Unterstützung, Kurse zum Thema Pflege oder der Austausch in Gesprächskreise mit anderen Pflegenden. Die Kosten für eine Kur werden in der Regel auf Antrag von der Krankenversicherung übernommen

Die Rehamaßnahme kann dann beantragt werden, wenn es bereits eine Erkrankung gibt, die geheilt oder zumindest gelindert werden soll. Die Maßnahmen ähneln hierbei denen, die auch innerhalb einer Kur angeboten werden. Je nach Schwerpunkt, z.B. Probleme mit der Haut oder dem Rücken, werden spezialisierte Angebote gemacht, um die Gesundheit zu verbessern. Die Kosten einer Rehamaßnahme werden bei Erwerbstätigen durch die Rentenversicherung und bei Rentnern durch die Krankenversicherung übernommen. Bei Schäden, die durch einen Unfall während der Pflegetätigkeit entstanden sind, laufen die Kosten über die Unfallversicherung.

Hinweis: Nach dem Tod einer pflegebedürftigen Person fallen die Belastung und die gesundheitlichen Probleme keineswegs direkt von den Pflegenden ab. Auch dann ist es ist möglich, eine Kur oder eine Rehamaßnahme (z.B. mit dem Schwerpunkt Trauerbewältigung) nach dem Versterben der Pflegebedürftigen Person zu beantragen. Dies ist bis zu 6 Monate nach dem Tod der versorgten Person möglich.

Antrag auf eine Kur oder eine Rehamaßnahme

Um eine Kur oder eine Rehamaßnahme zu beantragen, führen Sie zu Beginn ein Gespräch mit dem behandelnden Hausarzt bzw. der Hausärztin, bei dem der Kurantrag gemeinsam ausgefüllt wird. Hierbei sollten Sie genau schildern, welche Beschwerden bestehen, damit die medizinische Notwendigkeit entsprechend begründet werden kann. Wenn bereits medizinische Unterlagen existieren, nehmen Sie diese mit zu dem Gespräch.  

Das Antragsformular, kann entweder über die Krankenkasse, den Rentenversicherungsträger oder eine Kurberatungsstelle erlangt werden. Diese unterstützen bei Bedarf auch das Ausfüllen des Antrags.

Hinweis: Eine Beratungsstelle hierbei ist das Müttergenesungswerk, welches Sie auch bei der Suche nach einer geeigneten Einrichtung unterstützt. Zudem können Sie hier die unterschiedlichen Therapieangebote der Institutionen besprechen.

Im Anschluss muss der Antrag beim zuständigen Kostenträger, der Rentenversicherung oder Krankenkasse, eingereicht werden. Auch wenn Sie den Antrag versehentlich nicht direkt beim richtigen Kostenträger eingereicht haben, muss dieser dennoch innerhalb von zwei Wochen prüfen, ob er dafür zuständig ist und den Antrag bei Bedarf innerhalb von zwei Wochen an den richtigen Kostenträger weiterleiten. Dort kann der Antrag dann abschließend bearbeitet werden.

Wenn Ihnen innerhalb von zwei Monaten keine Entscheidung mitgeteilt wird, gilt der Antrag dann automatisch als bewilligt, wenn der Kostenträger Sie nicht im Voraus über die Verzögerung informiert.

Nach der Bewilligung erhalten Sie Informationen zur Einrichtung, dem Zeitraum und der Dauer der Maßnahme. Wenn der Antrag abgelehnt werden sollte, können Sie innerhalb eines Monats ein Wiederspruch gegen die Entscheidung einlegen.

Dauer und Kosten von Kur oder Rehamaßnahmen

Sowohl die ambulante als auch die stationären Varianten beider Maßnahmen dauern in der Regel drei Wochen und können bei medizinischer Notwendigkeit verlängert werden. Eine ambulante Kur oder Reha kann alle drei Jahre, die stationäre Version alle vier Jahre beantragt werden.

Alle Kosten für Unterkunft, Verpflegung und die Therapieanwendungen werden vom zuständigen Kostenträger übernommen. Es fällt ein Eigenanteil von 10 Euro pro Tag an. Entstehende Fahrtkosten, können auf Antrag ebenfalls übernommen oder zumindest bezuschusst werden.

Bei einer entsprechenden medizinischen Begründung durch den Arzt oder die Ärztin greift während der Reha die reguläre Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall von bis zu 6 Wochen.

Hinweis: Häufig werden Rehamaßnahmen bei privat Versicherten, die Pflegebedürftige pflegen, nicht berücksichtigt. Dennoch kann es sich lohnen, eine Kostenübernahme bei der zuständigen Versicherung anzufragen. 

Versorgung der Pflegebedürftigen während der Kur oder Rehamaßnahme

Neben den Bedürfnissen der pflegenden Person, stellt sich die Frage danach, wie der pflegebedürftige Mensch während der Kur oder Rehamaßnahme versorgt wird. Gerade diese Sorge zur Versorgung des Angehörigen führt häufig dazu, dass Betroffene sich schwertun, die benötigte Hilfe anzunehmen.

Um die Versorgung in der Zeit zu gewährleisten, können bei einem bestehenden Pflegegrad verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung genutzt werden:

Verhinderungspflege: Die Versorgung wird in der Zeit der Maßnahme zu Hause durch eine privat organisierte Pflegeperson, ein Familienmitglied oder einen Pflegedienst übernommen. Hierbei werden bis zu 1.612 Euro pro Jahr erstattet, wenn mindestens ein Pflegegrad 2 für bereits mehr als sechs Monate vorliegt.

Kurzzeitpflege: Die pflegebedürftige Person wird vorübergehend in einer vollstationären Einrichtung betreut, wobei die Suche nach einem freien Platz in der Kurzzeitpflege sich teils schwierig gestalten kann. Zur Finanzierung steht ab einem Pflegegrad 2 ein Budget von 1.712 Euro im Jahr zur Verfügung.

Die genannten Budgets können auch miteinander kombiniert werden, indem entweder 806 Euro von der Kurzzeitpflege mit zur Verhinderungspflege dazukommt oder das Budget der Verhinderungspflege komplett mit in das Budget Kurzzeitpflege übergeht. Beide Varianten müssen bei der Pflegeversicherung beantragt werden.   

Wenn es für die betroffene Person unvorstellbar ist, die Versorgung an andere Personen oder Institutionen abzugeben, ist es möglich eine Rehaklinik zu wählen, in der die pflegebedürftige Person parallel untergebracht werden kann. Hierbei sind die Anforderungen an die Klinik jedoch automatisch noch etwas spezieller und es stellt sich die Frage, wie hoch der Erholungsfaktor für die pflegende Person wirklich ist.

Fazit: Natürlich ist die Art der Unterbringung, so wie jede einzelne Pflegesituation hoch individuell und sollte dementsprechend organisiert werden. Der Schwerpunkt sollte so gestaltet sein, dass die pflegende Person möglichen Schäden vorbeugen kann oder bereits bestehende Einschränkungen verbessert oder sogar aufgehoben werden können.