Eingabehilfen öffnen

Skip to main content

Pflege und Gesundheit für Unternehmen, Hochschulen, öffentliche Verwaltungen und Institutionen

Mehr Lebensqualität durch Hörgeräte

Amiravita News, 20. Juni 2023

Mehr Lebensqualität durch Hörgeräte

Hörgeräte können bei Schwerhörigkeit eine enorme Unterstützung sein und die Lebensqualität zunehmend verbessern. Schwerhörigkeit kann unterschiedliche Ursachen haben, wobei die Altersschwerhörigkeit eine der häufigsten Formen darstellt. Betroffene sollten dazu ermutigt werden ihre Schwerhörigkeit untersuchen zu lassen, um wieder besser am Leben teilhaben zu können.

Hörgeräte rechtzeitig einsetzen

Häufig fallen den betroffenen Personen ihre Hörverluste nicht auf, da sich der Verschleiß über einen langen Zeitraum erstreckt und das Gehirn sich an den Verlust gewöhnt hat. Daher ist es wichtig, aufmerksam zu sein und sich einzugestehen, dass das Ohr Unterstützung braucht. Denn je länger man wartet und ohne Hörgerät mit der Schwerhörigkeit lebt, desto schwieriger ist es für das Gehirn sich wieder an die Geräusche zu gewöhnen, wenn ein Hörgerät eingesetzt wird. Menschen, die ihre Schwerhörigkeit nicht versorgen lassen, leiden vermehrt unter Antriebslosigkeit und Müdigkeit.

Liegt also eine Schwerhörigkeit vor oder wird eine vermutet, ist es ratsam zeitnah einen Termin für einen Hörtest bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu machen.

Risiken ohne Hörgerät

Neben dem Nachteil, den Gesprächen im Umfeld nicht folgen und Geräusche kaum noch wahrnehmen zu können, gibt es weitere Risiken, die mit einem verminderten Hörvermögen einhergehen.

Probleme mit dem Innenohr können sich negativ auf den Gleichgewichtssinn auswirken, dies kann zu einem erhöhten Sturzrisiko führen. Auch Schwindel und ein nicht ganz so sicherer Tritt können somit eine große Gefahr für einen Sturz darstellen, was durch Studien belegt werden konnte (Lin/Ferrucci 2012). 

Viele Studien weisen zudem darauf hin, dass gutes Hören präventiv gegen die Entwicklung einer Demenz wirken kann (z.B. Dawes et al. 2015, Amieva et al. 2018). Wenn man bedenkt, dass der soziale Austausch, Alltagsgeräusche, Gespräche und Sinnesanregungen wichtige Faktoren für die Erhaltung der Hirnleistung sind, ist es nachvollziehbar, dass ein frühzeitiger Einsatz eines Hörgerätes auch aus diesem Grund sinnvoll ist.

Hörgeräteträger werden von ihren Angehörigen bessere kognitiven Fähigkeiten zugeschrieben und sie gelten als weniger introvertiert als Hörgeschädigte, die keine Geräte benutzen. Die Pflege des sozialen Lebens und Gruppenaktivitäten werden angenehmer, da den Gesprächen wieder besser gefolgt werden kann. Diese positiven Auswirkungen werden mitunter durch eine Langzeitstudie aus Frankreich bestätigt, aus der hervorgeht, dass schwerhörige Männer, die keine Hörgeräte tragen, ein um 43 Prozent erhöhtes Risiko haben, an einer Depression zu erkranken (Amieva et al. 2018).

Sowohl das Selbstbewusstsein als auch das Gefühlsleben können positiv beeinflusst werden, da es den Betroffenen wieder leichter fällt sich ihrem Umfeld wieder aufgeschlossener zuzuwenden.

Der Weg zum Hörgerät

Wenn Interesse an einem Hörgerät besteht, macht es Sinn, sich vorab darüber zu informieren unter welchen Voraussetzungen und in und in welchem Umfang die Krankenkasse sich an den Kosten beteiligt.

Ob das von der Krankenkasse finanzierte Grundmodell ausreicht, hängt von vielen individuellen Faktoren ab und kann daher nicht verallgemeinert werden. Was für die eine Person noch ausreicht, ist für die andere Person schon ungenügend.

Die teils hochentwickelten und komplexen Geräte, die es nicht nur möglich machen können, sich besser auf Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen zu konzentrieren, sondern auch Umgebungsgeräusche reduzieren, Assistenzsysteme beinhalten oder z.B. über Bluetooth verfügen bewegen sich in Preisspannen von teils 700 Euro bis zu 2.000 Euro.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass es sich bei der genannten Preisspanne um eine grobe Übersicht handelt, die je nach Art der Hörschädigung variieren kann. Um eine genaue Einschätzung zu erhalten, ist es sinnvoll einen Termin bei einem Hörgeräte- Akustiker zu vereinbaren.

Nachdem die Bedingungen der Kasse klar sind, sollte eine Hals- Nasen- Ohren- Arztpraxis kontaktiert werden, welche den Grad der Schwerhörigkeit feststellen und die Verordnung für ein Hörgerät ausstellen.

Im Anschluss kann ein Hörgeräte- Akustiker aufgesucht werden. Diese Fachkräfte können im Rahmen einer umfangreichen Beratung ermitteln, welche Geräte sich eignen und diese auch zum Testen ausleihen. Hierbei ist es wünschenswert, dass sowohl normal- als auch hochpreisige Geräte gleichermaßen vorgestellt und erklärt werden.

Wenn ein Gerät ausgewählt wurde, übernehmen die Hörgeräte- Akustiker die weitere Kommunikation mit der gesetzlichen Krankenkasse. Ebenfalls von den Kassen getragene Kosten sind diese für die Dienstleistung des Hörgeräteakustikers, einschließlich der Nachbetreuung.

Mut machen

Auch wenn das Thema Hörgerät für viele Menschen negativ assoziiert ist, durch Gedankengänge und Vorurteile wie so alt bin ich noch nicht oder die Geräte werden auffallen und man wird mir meine Schwäche ansehen, ist es immer sinnvoll den Betroffenen Mut zu machen und sie zu bestärken. Hierzu ein persönliches Erlebnis von einer unserer BeraterInnen:

Ein Familienmitglied testet ein Paar Hörgeräte. Die Geräte sind winzig klein und hinter dem Ohr verborgen. Die Farbe wurde durch den Hörgeräte- Akustiker an die Haarfarbe angeglichen, wodurch sie auf den ersten Blick kaum auffallen. Während wir zusammen am Kaffeetisch sitzen, streicht er (82 Jahre alt) mit der flachen Hand über die Tischplatte und sagt begeistert: Hörst du das? Mir ist gar nicht aufgefallen, dass diese Bewegung ein Geräusch macht! Dann ergänzt er mit strahlenden Augen: Ich kann sogar hören, welches Geräusch entsteht, wenn ich mir mit der Bürste die Haare kämme! Ich freue mich für ihn und verstehe so langsam, warum ich in letzter Zeit den Eindruck hatte, dass er den Gesprächen um sich herum, kaum noch folgend konnte. Die positiven Erfahrungen einer guten Freundin der Familie mit einem engagierten Hörgeräte- Akustiker und die Tatsache, dass das eingeschränkte Hörvermögen einen Zusammenhang damit hat an Demenz zu erkrankten, haben ihn dazu motiviert, diesen Schritt zu gehen. Er wirkt entspannt und erleichtert.

Abschließend empfehlen wir also: Entscheiden Sie sich für die Nutzung eines Hörgerätes. Sie können eine Hörhilfe zumindest einmal auszuprobieren, um selbst zu erfahren, wie besseres Hören und Verstehen das eigene Leben verändern kann. Empfehlen Sie dies auch Ihren Angehörigen.


Das könnte Sie auch interessieren

21. September 2023

Alzheimer Demenz

Morbus Alzheimer - Eine Form der Demenz Nach Zahlen der deutschen Alzheimer Gesellschaft sind weltweit aktuell 55 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen. Um dieses relevante Thema mehr in die Öffentlichkeit zu bringen, findet jedes J...
18. Februar 2013

Familienpflegezeit wird kaum in Anspruch genommen

Die Anfang 2012 eingeführte Pflegezeit für Familien findet bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern kaum Anklang. Weniger als 200 Mitarbeiter haben das Angebot zu einer Auszeit für die Pflege von Angehörigen in den ersten zwölf Monaten genutzt. Das urs...
01. Oktober 2012

Studie Monitor Familienleben 2012

Die Deutschen sehen die Unternehmen und den Staat gleichermaßen gefordert, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Das geht aus der Studie "Monitor Familienleben 2012" hervor, die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums vom Allen...