Bewegung zu Hause und unterwegs – Mobil bleiben im Winter
Gerade im Winter fällt es älteren oder pflegebedürftigen Menschen oft schwer, regelmäßig nach draußen zu gehen. Schnee, Eis, Kälte und frühe Dunkelheit erhöhen das Sturzrisiko. Dennoch ist Bewegung essenziell, um Mobilität, Kraft und Selbstständigkeit zu erhalten. Als Angehörige können Sie viel dazu beitragen, dass Ihre Liebsten auch zu Hause und unterwegs aktiv bleiben – sicher, angepasst und motivierend.
Warum Bewegung so wichtig ist
Bewegung ist aus vielen Gründen wichtig. Regelmäßige Aktivität unterstützt unsere Muskeln und Gelenke, fördert das Gleichgewicht und sorgt für mehr Stabilität. Sie stärkt außerdem das Herz-Kreislauf-System und verbessert die Durchblutung. Auch unsere Stimmung und der Schlaf profitieren davon, denn Bewegung wirkt ausgleichend und entspannend. Nicht zuletzt hilft sie dabei, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten. Besonders im Winter, wenn Spaziergänge oft seltener werden, ist es daher wichtig, Bewegung ganz bewusst zu fördern.
Sicherheit geht vor
Im Winter gilt: Sicherheit geht vor, denn typische Risiken nehmen zu. Rutschige Wege durch Eis und Schnee erhöhen die Sturzgefahr, und auch schlechte Sicht kann zu gefährlichen Situationen führen. Zudem kann die Kälte den Kreislauf oder die Atmung belasten. Deshalb ist es wichtig, bei Spaziergängen für Begleitung zu sorgen – schon kurze Wege werden damit deutlich sicherer. Gleichzeitig bleibt frische Luft unverzichtbar: Sie stärkt das Immunsystem, unterstützt den Kreislauf und hebt die Stimmung.
Gefahren bei zunehmender Immobilität
Wenn ältere Menschen sich zu wenig bewegen, steigt das Risiko für verschiedene gesundheitliche Probleme. Eine träge Darmtätigkeit kann zu Verstopfung oder sogar zu einem Darmverschluss führen. Durch fehlende Aktivität und weniger soziale Kontakte können Depressionen und Stimmungsschwankungen auftreten. Zudem wird die tiefe Atmung im Sitzen oder Liegen eingeschränkt, was Atemprobleme oder sogar eine Lungenentzündung begünstigen kann. Auch die Muskelkraft und Beweglichkeit nehmen ab, was das Sturzrisiko erhöht. Gleichzeitig können Herz-Kreislauf-Probleme entstehen, weil die Durchblutung schlechter wird. Bewegungsmangel kann außerdem den Stoffwechsel verlangsamen, wodurch Appetitlosigkeit und eine geringere Nahrungsaufnahme auftreten. Da Bewegung oft den Durst anregt, trinken viele Menschen bei Inaktivität auch weniger, was das Risiko für Dehydration erhöht.
Wichtig ist: Schon regelmäßige, leichte Bewegung wirkt vorbeugend gegen Lungenentzündungen, da sie die Atmung anregt, die Lunge besser belüftet und das Immunsystem stärkt. In einem weiteren Artikel werden wir ausführlich auf die Pneumonieprophylaxe durch Bewegung eingehen.
All diese Risiken zeigen, wie wichtig regelmäßige Bewegung – auch in Innenräumen – für ältere Menschen ist.
Bewegung zu Hause – praktische Tipps
1. Sanfte Mobilisation
- Schulterkreisen, Armbewegungen, Kopfkreisen
- Füße und Hände kreisen lassen
- Kleine Lockerungsübungen zwischendurch
2. Kraftübungen
- Aufstehen/Hinsetzen mit Halt
- Wandstütz oder leichte Liegestütze
- Beinheben im Sitzen
- Leichte Hanteln oder Wasserflaschen
3. Gleichgewichtstraining
- Einbeinstand mit Tisch oder Stuhl als Halt
- Zehen- und Fersenstand
- Gewichtsverlagerungen
- Balance-Pads, Balance-Kissen oder BOSU: Diese Instabilitätsgeräte trainieren gezielt Gleichgewicht, Stabilität und kleine Stützmuskeln. Balance-Pads sind weiche Schaumstoffkissen, Balance-Kissen luftgefüllte Sitzkissen für Rumpf und Beine, BOSU halbrunde Plattformen für anspruchsvollere Übungen.
4. Sitz- und Stuhlgymnastik
- Bein- und Armübungen im Sitzen
- Schulterkreisen, Nackenmobilisation
- Therabänder oder Pedale für Beine und Arme
- Ideal für Menschen mit eingeschränkter Mobilität
Hinweise für Angehörige
Achten Sie bei allen Übungen unbedingt auf mögliche gesundheitliche Einschränkungen, wie künstliche Gelenke, Arthrose, Rheuma, Schmerzen oder Herz- und Kreislaufprobleme. Wenn Unsicherheiten bestehen, sollte eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut hinzugezogen werden. Fachkräfte können genau zeigen, welche Übungen geeignet sind und wie sie sicher durchgeführt werden. Zudem besteht die Möglichkeit, dass Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten Hausbesuche machen – vorausgesetzt, der Hausarzt vermerkt dies entsprechend auf dem Rezept.
Hilfsmittel bei eingeschränkter Mobilität
Wenn die Mobilität stark eingeschränkt ist, können verschiedene Hilfsmittel dabei unterstützen, weiterhin aktiv zu bleiben und am Alltag teilzunehmen. Ein Rollstuhl oder Rollator – idealerweise mit Sitzfunktion – sorgt für mehr Sicherheit und ermöglicht Pausen unterwegs. Auch ein Gehstock kann helfen, die Stabilität zu verbessern. Spezielle Handwärmer für Rollatoren oder wärmende Sitzsäcke für Rollstühle machen Aktivitäten im Freien angenehmer, besonders in der kalten Jahreszeit. Für eine passende Auswahl ist es sinnvoll, ein Sanitätshaus aufzusuchen, sich beraten zu lassen und die Hilfsmittelnummer zu erfragen. Der Hausarzt kann anschließend das benötigte Hilfsmittel per Rezept verordnen.
Tipp: Solche Hilfsmittel eröffnen neue Möglichkeiten – zum Beispiel gemeinsame Spaziergänge oder kleine Stadtbummel. Ein Rollator mit Sitzfunktion oder Handwärmern gibt Sicherheit auf rutschigen Wegen, und kurze Pausen an Ständen oder Schaufenstern machen den Ausflug entspannter. So können ältere Menschen trotz eingeschränkter Mobilität Bewegung, soziale Kontakte und Lebensfreude genießen – gerade in den Wintermonaten.
Praktisches Beispiel aus der Beratungspraxis:
Als Pflegeberaterin schenkte ich meinen Großeltern ein Tretfahrrad, das bequem im Sessel genutzt werden kann. Besonders im Winter nutzen sie es regelmäßig:
Meine Großmutter profitiert davon bei der Darmtätigkeit, da das Bewegen der Beine die Verdauung anregt – ein Bereich, der bei Bewegungsmangel oft leidet. Zusätzlich hilft es, den Bewegungsdrang bei Demenz zu bewältigen.Mein Großvater nutzt es, um allgemein vorsorglich seine Mobilität im Winter zu erhalten.
Therabänder werden jetzt ergänzend eingesetzt, um gezielt Kraft in Armen und Beinen aufzubauen.
Diese Erfahrung zeigt: Bewegungsfördernde Hilfsmittel sind nicht nur praktisch, sondern können den Alltag, die Gesundheit und das Wohlbefinden erheblich verbessern.
Hilfsmittel & Trainingsgeräte für zuhause
Für mehr Bewegung im Alltag können Hilfsmittel und Trainingsgeräte für zuhause eine wertvolle Unterstützung sein. Mini-Heimtrainer oder kleine Tretfahrräder ermöglichen Übungen für Beine und Arme, auch im Sitzen. Pedaltrainer erfüllen einen ähnlichen Zweck und sind besonders platzsparend. Balance Pads, Balance-Kissen oder ein BOSU-Trainer helfen dabei, Gleichgewicht und Stabilität zu fördern. Mit Therabändern oder elastischen Zugbändern lassen sich viele kräftigende Übungen durchführen, ebenso wie mit Softbällen, Gymnastikbällen oder kleinen Hanteln. Auch spezielles Zubehör für Sitz- und Stuhlgymnastik kann dazu beitragen, regelmäßig aktiv zu bleiben.
Tipp: Viele dieser Geräte eignen sich hervorragend als bewegungsfördernde Geschenke. Sie unterstützen die Selbstständigkeit, stärken die Gesundheit und bringen Freude – ideal für ältere Familienmitglieder.
Fazit
Bewegung ist ein entscheidender Bestandteil der Pflege – gerade im Winter. Mit Ihrer Unterstützung können ältere oder pflegebedürftige Angehörige aktiv bleiben, Kraft und Gleichgewicht erhalten und gesundheitliche Risiken wie Stürze, Verstopfung, Depressionen, Lungenprobleme, Appetitlosigkeit oder Dehydration verringern. Bereits regelmäßige Bewegung wirkt vorbeugend gegen Lungenentzündungen (Pneumonieprophylaxe). Kleine tägliche Übungen, Sitz- und Stuhlgymnastik, kurze Spaziergänge mit Begleitung, motivierende Ausflüge und geeignete Hilfsmittel machen einen großen Unterschied.
Autorin: Jasmin Aschenbrenner LinkedIn
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